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(c) Wägwyser
Jesus war ohne Sünde. Was heisst das?
Hebräerbrief 4,15  
Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde.


Jesus Christus war ohne Sünde. Was heisst das eigentlich? Wie schaffte er das? Hatte er es einfacher, weil er der Sohn Gottes war? Hatte er einfach göttliche Kräfte?


(c) Wägwyser

Die Sündlosigkeit von Jesus Christus wirft verschiedene Fragen auf. Insbesondere dann, wenn wir erkennen, dass wir seine Nachfolger sein sollen und ebenfalls aufgefordert werden, möglichst ohne Sünde zu leben.

Matthäusevangelium 11,29    
Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.


Doch zuerst muss einmal die Frage geklärt werden, was "Sünde" eigentlich bedeutet. Aus dem biblischen Kontext wird deutlich, dass Sünde das Gegenteil des Wesens Gottes ist. Er ist - gemäss 1. Johannesbrief 4,16 - die Liebe. Gottes ganze Schöpfung ist auf Liebe ausgerichtet. Und zwar lautete Gottes ursprüngliches Konzept wie folgt:

Ich bin die Liebe. Ich möchte euch meine Liebe völlig schenken, damit ihr diese Liebe wieder weitergeben könnt. Das Geheimnis Gottes für die Menschen ist also: Von Gott beschenkt, andere beschenken und dabei glücklich werden.

Nun wir wissen, dass der Mensch aus diesem Konzept ausgebrochen ist. Grund dafür war, dass er nicht mehr in Gemeinschaft mit Gott leben wollte. Er wollte nicht den zum Guten führenden Anweisungen Gottes gehorchen, er wollte Gott nicht mehr als Vater kennen. Der Mensch wollte autonom, eigenverantwortlich, selbstbestimmend werden. In der Loslösung von Gott hat sich der Mensch aber auch aus der Liebe und dem damit verbundenen Leben Gottes herausbewegt und wurde unglaublich arm und unerfüllt.

Diese fehlende Erfüllung sucht der Mensch seit dem Abgang aus dem Paradies über Eigennützigkeit und Egoismus zu kompensieren. Diese Eigennützigkeit, dieser Egoismus ist Sünde.

Wenn wir uns also fragen, worin Jesu Sündlosigkeit lag, kann einfach eine Antwort gefunden werden: Jesus hat sich weder aus der Gemeinschaft des Vaters bewegt, noch hat er eigene Lösungsmodelle entwickelt, noch hat er eigene Ziele verfolgt. Er blieb lebenslang in der Abhängigkeit des Vaters und suchte und tat seinen Willen.

Johannesevangelium 6,38  
Denn ich bin vom Himmel gekommen, nicht damit ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.


Hat nun Jesus besondere Kräfte gehabt, um so gänzlich auf seinen eigenen Willen verzichten zu können? Wie kriegte das Christus hin? Und wie können wir unseren Egoismus besiegen? Und hat diese völlige Aufgabe des eigenen Willens dazu geführt, dass Jesus unerfüllt, ohne Freude und Wirkung blieb?

Der einzige Vorteil, den Jesus uns gegenüber hatte, bestand darin, dass er den Vater aus einer unbeeinträchtigten, absolut guten Gemeinschaft kannte. Er lebte mit dem göttlichen Vater im Himmel. Jesus wusste und weiss, dass Gott absolut gut ist. Sein Vertrauen in Gott war zu jeder Zeit unerschüttert.

Aus diesem absoluten Vertrauen heraus, konnte Christus auch in schwierigen Situationen die richtige Entscheidung treffen: Er blieb gehorsam. Und solche schwierigen Entscheidungen gab es einige. Da waren die Versuchungen des Teufels (Lukasevangelium 4, Matthäusevangelium 4). Da war der Kampf im Garten Gethsemane - kurz vor seiner Verhaftung und späteren Hinrichtung. Aber das Wissen um die vollkommene Güte Gottes liess ihn auch hier sein Vertrauen auf den Vater setzen. Und dank dieses vollständigen Vertrauens konnte auch der Mensch Jesus Christus ohne Sünde bleiben.

Darin liegt nun auch unsere grosse Hoffnung, in unserem Leben mit Gott Vater und Christus seinem Sohn vorwärts zu kommen. Der Schlüssel zu einem "besseren" Leben liegt im wachsenden Vertrauen zu unserem Vater und seiner Liebe.

Je mehr wir Gott vertrauen, werden wir unseren Eigennutz und unsere Ichbezogenheit loslassen können und uns ins seine guten Hände begeben und einfach seinen Anordnungen folgen. Er ist willens und fähig und hat es hundertfach in der Bibel versprochen, dass er seine ganze Potenz zu unseren Gunsten verwenden will.

Vertrauen in Gott werden wir dann gewinnen, wenn wir ihn kennenlernen. Kennenlernen können wir Gott aus der Schöpfung, aus seinem Wort, durch seinen Sohn Jesus Christus und in seinem Handeln an seinen Kindern. Die Frage ist, ob wir zulassen, dass Gott mehr und mehr unsere Lebensbereiche übernehmen können - bis dahin, dass wir ihm unser ganzes Leben geben.

In der Versöhnung mit Gott durch das Opfer Jesu Christi werden wir wieder integriert in Fülle und Kraft des Lebens Gottes. Nur dort finden wir unsere Identität und Bestimmung.

1. Johannesbrief 5,12    
Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht ha
t, der hat das Leben nicht.


Und nun noch zu letzten Frage. Blieb Jesus unerfüllt und ohne Freude? Hatte diese Selbstaufopferung unter den Willen des Vaters zur Folge, dass Jesus selbst kein gutes Leben führen konnte?

Auch hier gibt die Bibel deutlich Antwort:

Philipperbrief 2,9-11   
Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, daß Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.


Das Leben Christi auf dieser Erde war nur ein verhältnismässig kurzes Intermezzo im Vergleich zur Ewigkeit. So gross die Niederlage Christi auf Erden scheinbar gewesen sein, so übergross ist sein Sieg mit Blick auf die Ewigkeit. Mit seiner Hingabe hat er alles erworben, was möglich ist - auf eine ewig anhaltende Zeit.

Und auch uns ist diese unaufhörliche Freude verheissen, wenn wir uns mit Gott versöhnen lassen und uns unter seine Führung begeben:

1. Petrusbrief 1,8-9
Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit.


Wir werden aber nicht nur völlige Freude erlangen sondern auch mit Christus herrschen.

Offbarung 5,10  
und hast sie unserm Gott zu Königen und Priestern gemacht, und sie werden herrschen auf Erden.


Diese Herrschaft wird sich wesentlich davon unterscheiden, was wir heute an Herrschaft (des Egoismus) erleben. Aus Gottes Optik kann nur jemand die Führung übernehmen, der gelernt hat sein ganzes Handeln in Liebe - zugunsten anderern - einzusetzen. In der Hingabe und  Unterordnung Jesu unter seinen Vater hat Christus diese Liebe auch als Mensch völlig gelernt und gelebt. Das selbe Ziel verfolgt Christus in unserem Leben. Wir sollen Liebe lernen und dann diese zu Gunsten anderer einsetzen. Das ist der biblische Herrschafts-Begriff.

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