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Quelle: Wikipedia Gleiberg CC BY-SA 2.0 de - bearbeitet
Killerkeime vor unserer Haustüre

Wir sind landläufig der Meinung, dass der Gang in das Krankenhaus einen positiven Einfluss auf unsere Gesundheit hat. Natürlich werden dort auf beeindruckend technischem Niveau medizinische Höchstleistungen erbracht. Dennoch kämpfen Krankenhäuser zunehmend mit resistent gewordenen Krankheitskeimen. Ein aktueller Bericht spricht sogar von einer "grassierenden Seuche in deutschen Hospitälern".

hg. Der Bericht in der Süddeutschen Zeitung ist beängstigend. "In deutschen Krankenhäusern geht die Seuche um", schreibt die Zeitung. Gemeint sind die weitverbreiteten Staphylokokken-Bakterien, die bei 25-30% aller Menschen in Mund, Nase oder Darm vorkommen. Geraten die Bakterien in Wunden, führen sie zu Infektionen, die üblicherweise mit Antibiotika behandelt werden (z.B. bei Erkältungen im Rachenbereich). Allein diese Infektionen sind es noch nicht, die hiesige Ärzte beängstigen.

Die Bakterien können aber bei falscher Behandlung durch Antibiotika Resistenzen aufbauen, sodass die Behandlung wirkungslos bleibt und die Infektionen fortschreiten. Die Folgen solcher resistent gewordenen Staphylokokken-Keime kann lebensbedrohlich werden. Geraten die Keime in offene Wunden, beginnt die Stelle zu verfaulen. Es entstehen grosse, offene Wunden, die bis zur Amputation von Körperteilen oder sogar dem Tod führen können. Im Körperinnern kann es zu Lungenentzündungen, toxischen Schocksyndromen usw. führen, die auch tödlich enden können.


Die Keime sind hochansteckend und werden vor allem mit den Händen übertragen. Bereits sind in Deutschland 20% aller Staphylokokken-Bakterien-Stämme multirestistent (sprechen auf verschiedene Antibiotika nicht mehr an). Die restistenten Keime werden heute als "grösstes Infektionsproblem der modernen Medizin" betrachtet. Sogar die Deutsche Bundesregierung reagiert nun auf die wachsende Problematik und will in der kommenden Woche ein strengeres Hygienegesetz lancieren.

Dabei sind nicht alle europäischen Länder in gleicher Weise vom Problem betroffen. Holland gilt nach wie vor als nur wenig von resistenten Staphylokokken betroffen (unter 3% der vorhandenen Bakterien-Stämme sind resistent). In Holland ist auch der deutsche Mikkrobiologe Friedrich tätig. Er wechselte vor Kurzem an die Universität in Groningen NL und leitet aktuell das grenzübergreifende Krankhausprojekt EurSafety Health-net. Als junger Arzt war er in den 90er Jahre Zeuge, wie z.B. in Bayern die Quote der resistenten Erreger in wenigen Jahren von 5% auf 20% stieg und immer mehr Patienten an Blutvergiftungen starben oder Gliedmassen amputiert werden mussten, weil die Infektionen nicht wirksam bekämpft werden konnten.

Er hat auch klare Ursachen erkannt, worin die unterschiedliche Verbreitung von resistenten Erregern in Deutschland und Holland begründet sein könnte:


1: Die Erreger werden vor allem über die Hände von Patient zu Patient in den Krankenhäusern übertragen. Ärzte und Pflegepersonal müssen auf diese Übertragungs-Möglichkeiten hingewiesen und zu einem sorgfältigeren Umgang mit Hygiene sensibilisiert werden. Die von der Bundesregierung angedachten Massnahmen sehen z.B. vor, dass Krankenhäuser mit über 400 Betten einen Haushygieniker ansstellen müssen.

2: Mangelndes Pflegepersonal verschärft die Übertragungsgefahr. Auf einer deutschen Intensivstation werden drei Patienten von einer Pflegekraft betreut. Eine konsequente Handhygiene würde bedingen, dass bei jedem Pflegewechsel von Patient zu Patient die Hände während 30 Sekunden mit 70prozentiger Ethanol-Lösung eingerieben werden müssten. 60-150 Hand-Waschungen wären die Folge. Friedrich hält fest: "Mehr als 40 Mal ist unrealistisch... Wenn aber Hände nicht öfter desinfiziert werden können, muss es mehr Hände geben... In Holland gibt es auf Intensivstationen fast eine Eins-zu-Eins-Betreuung".


3: Die Anzahl Krankenhausbesuche müsste eingeschränkt werden, denn jeder Besuch im Krankenhaus birgt ein Ansteckungs-Risiko. In Deutschland gibt es pro 1000 Einwohner doppelt so viele Krankenhausbetten wie in Holland. Das nicht, weil die Deutschen kränker sind, sondern weil sie häufiger zum Arzt gehen.

4: In Holland werden eintretende Patienten konsequent auf Staphylokokken-Keime überprüft. Der Hygieniker Friedrich fordert, dass auch in Deutschland solche Eintrittstests konsequent eingeführt werden. Dieser sensiblere Umgang mit resistenten Keimen ist aber nicht überall gewünscht. Genauere Kontrollen könnten auch zum häufigeren Erkennen von Keimen führen. Die Ausmerzung eines Keimes in einem Krankenhaus kostet aber durchschnittlich 3000 Euro, die vom Krankhaus selbst finanziert werden müssten. Diese Zusatzkosten schrecken Spitäler aktuell noch vor rigoroseren Kontrollen ab. Dabei sind diese Kosten immer noch deutlich tiefer als die 20'000 Euro, die bei der Behandlung einer akuten Infektion von resistenten Keimen anfallen. Gemäss Friedrich müssten hier auch die Patienten aktiv werden und entsprechende Tests fordern.

Immer mehr Experten erkennen die Gefahr der resistenten Keime und fordern eine breitere und intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema in Deutschland. Im Moment ist es aber noch so, dass wenn Deutsche Patienten in holländischen Spitälern behandelt werden sollen, sie zuerst durch eine Isolations-Station in Quarantäne verbringen müssen, bis geklärt ist, ob resistente Keime vorhanden sind. Es bleibt abzuwarten, ob das nötige Umdenken bald stattfindet.


Quelle Zitate:
Sueddeutsche.de vom 12.3.2011 "Der Kampf gegen die Superkeime"






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