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Quelle: Wikipedia André Karwath aka Aka CC BY-SA 2.5 - bearbeitet
Digitale Demenz: Medienkonsum bei Kindern wird unterschätzt
Der Psychiater und Hirnforscher M. Spitzer warnt vor zu viel Medienkonsum bei Kindern: "Es besteht die Gefahr, dass Kinder dumm, dick und aggressiv werden." In einem Interview zu seinem Buch "Digitale Demenz" äussert er sich überraschend deutlich zu den Auswirkungen vom Gebrauch von Computern, Smartphones, Spielkonsolen und Fernsehen.


hg. Die Äusserungen des Psychiater und Hirnforschers Manfred Spitzer in einem Interview des Tagesanzeigers sind ungewöhnlich deutlich. In einer Zeit, in der sich keiner mehr Computer, Smartphones, Fernsehen und Computerspiele wegdenken kann, fordert er eine Rückbesinnung auf die reale Welt.

Den Vorwurf der Technikfeindlichkeit weist er aber zurück. Er möchte lediglich auf Gefahren hinweisen: "Die geistige Entwicklung der Kinder kann beeinträchtigt sein, Aggressivität wird gefördert und der Bewegungs- und Schlafmangel führt oft zu Übergewicht. Kurz, es besteht die Gefahr, dass die Kinder dumm, aggressiv und dick werden." 1

In seinem Buch "digitale Demenz" verweist Spitzer auf über 200 Studien, welche unbestritten die negativen Einflüsse von modernen Medien auf die Entwicklung des Kindes belegen. So wurden beispielsweise an der Denison University in Granville, Ohio, zwei Gruppen von Schülern im Alter von 6-9 Jahren für vier Monate mit und ohne Playstation getestet. Jene mit Playstation hätten signifikant schlechtere Leseleistungen gebracht und auch beim Schreibtest schlechter abgeschnitten.

Auch weitere Aussagen von M. Spitzer machen nachdenklich. Angesprochen auf die Nützlichkeit von Computern bei der Ausarbeitung von Referaten meint er: Dieses Outsourcing von Hirntätigkeit führt zu einem schleichenden Gedächtnisverlust. Besonders schlimm ist dies bei Kindern. Wenn sie am Computer arbeiten, können sie sich Dinge schlechter merken und werden unaufmerksamer. Sie googeln hier und dort, klicken den einen oder anderen Hyperlink an und kopieren irgendetwas aus Texten heraus. Das ist ein sehr oberflächlicher Umgang mit dem Material, und genau deswegen bleibt wenig im Gedächtnis hängen." 1

Spitzer vergleicht denn auch den Konsum von Internet- und Computerspielen mit Alkoholabhängigkeit: "Internet- und Computerspiele machen süchtig, erregen im Gehirn genau die gleichen Strukturen wie harte Drogen, aber wir stellen sie dennoch in die Kinderzimmer. Obwohl wir wissen, dass es den Kindern und ihrer Entwicklung schadet. Denn durch das Chatten, Gamen und Surfen kommt es zu Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, Sprachentwicklungsstörungen, Ängsten, Schlafstörungen, Depressionen, Vereinsamung und höherer Gewaltbereitschaft." 1

Vor allem in der Dosis des Medienkonsums sieht Manfred Spitzer das grösste Problem. "Man sollte sich vergegenwärtigen, dass ein durchschnittlicher Jugendlicher in Deutschland 7.5 Stunden pro Tag Medienkonsum betreibt. Bei 35 Schulstunden zu je 45 Minuten ergeben sich 3.75 Stunden Schule pro Tag. Wir verwenden als täglich die doppelte Zeit für den Konsum digitaler meiden als für den gesamten Schulstoff. Kein Wunder, dass man dann keine Zeit mehr für Sport oder andere Tätigkeiten hat. In den USA liegt der tägliche Medienkonsum der 8-18 Jährigen sogar bei 10 Stunden und 45 Minuten..." 1

Entsprechend sieht Spitzer in der Reduktion des Medienkonsum und in einer konkreten Zuwendung zu realen Welten (z.B. Aufbau von wirklichen Freundschaften) einen alternativen Weg. Angesprochen auf eigene Kinder und deren Medienumgang hält er fest: "Als sie noch klein waren, haben wir den Fernseher abgeschafft, denn es gab dauern Streit darüber, wer was sehen durfte. Unsere Kinder schauten dann zwar hin und wieder bei Nachbarn Fernsehen, doch haben wir die Dosis durch diesen Schritt drastisch reduziert. Und darauf kommt es an, denn die Dosis macht das Gift. Wir hatten auch einen Computer, den sie aber für Referate und E-Mails benutzen konnten. Onlinespiele waren bei uns verboten, und das wussten sie auch." 1

Quelle Zitate:
Tagesanzeiger vom 23.7.2012 - "Es besteht die Gefahr, dass Kinder dumm, dich und aggressiv werden"

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